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Kaboom! Wie World of Tanks' Design die Geschichte angeht

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Kaboom! Wie World of Tanks' Design die Geschichte angeht

Wie realistisch sind realistische Panzerschlachten?

Arjan Terpstra

26-08-2020 ⋅ 4 min read

Erinnern Sie sich an den allerersten Teaser-Trailer von World of Tanks? Ein Haufen grüner Orks duelliert sich mit Elfen, bevor der Anführer der Orks auf komische Weise von einem realistisch aussehenden Panzer des 20. Jahrhunderts zerschmettert wird. Der Grund für den Trailer wird von Victor Kislyi, CEO des Wargaming-Studios von World of Tanks, in dem Buch zum 10-jährigen Jubiläum von World of Tanks genannt. Vor dem Start von World of Tanks (August 2010) wurde das MMO-Genre vollständig von World of Warcraft, dem epischen Fantasy-RPG von Blizzard, dominiert. Aber warum sollten Kishlyi und sein Team die Technologie, die hinter den Online-Spielen steckt, ausschließlich für Ork-Kämpfe nutzen? Sicherlich gab es Raum für verschiedene Arten von Online-Spieler-gegen-Spieler-Kämpfen?
Image from official WoT book
Spielegigant

World of Tanks würde Wargaming Recht geben. Mit über 160 Millionen registrierten Spielern weltweit ist es ein Spielegigant, der ein ganzes Genre von realistisch aussehenden Kriegsspielen (World of Warships, World of Warplanes) hervorgebracht hat, die auf der Kriegsführung des 20. Jahrhunderts basieren. Die Orks und Elfen haben die MMO-Szene nie verlassen, aber der Aufstieg von Themen, die auf der Realität statt auf hoher Fantasie basieren, ist unbestreitbar.
Image from official WoT book
Betrachtet man World of Tanks mit seinen hyperrealistischen und historischen Panzern, die auf realistisch aussehenden Schlachtfeldern kämpfen, kann man WoT als "realistisches" MMO-Spiel bezeichnen. Und doch ist es kein Panzersimulator - nicht im geringsten - da sich die Spielentwickler viele Freiheiten mit historischem Realismus nehmen. Das Spiel kann hunderte von Panzermodellen aus 11 Nationen ankurbeln, die alle mit maximaler Authentizität nach Originalplänen nachgebildet wurden, aber auch einen Haufen Panzerentwürfe einbauen, die nie wirklich produziert wurden oder nie irgendeine Art von Aktion gesehen haben. Der IS-7, ein massiv populärer sowjetischer Panzer im Spiel, ist ein typisches Beispiel dafür. Der schwere Panzer schaffte es nie zur Massenproduktion, die einzige erkennbare "Aktion" eines überlebenden (realen) IS-7 war sein Transport zum Moskauer Kubinka-Panzermuseum.

Kreative Freiheiten

Die gleichen kreativen Freiheiten werden bei den vielen Karten im Spiel genommen. Es mag die Spieler überraschen (im Jargon von "World of Tanks" als "Tanker" bezeichnet), aber es gibt keine echte Stadt Himmelsdorf in Deutschland und keinen Ort namens Ensk in Belarus. Ensk, inspiriert durch die unmittelbare Umgebung von Wargamings Heimatbasis in Minsk, wurde als "typische Kleinstadt aus der Sowjet-Ära" konzipiert, sein Name ist eine phonetische Adaption eines russischen Wortspiels: "N...sk", was etwa wie " jede Stadt" bedeutet. Beide Karten sind vollständig erfunden, wobei historische Bezüge genutzt werden, um die richtige Tonalität zu finden.
Image from official WoT book
Karten wie "Overlord" bringen die Fiktion noch einen Schritt weiter, da sie "plausible alternative historische Szenarien" darstellen - es ist die Landung in der Normandie, aber nicht so, wie wir sie kennen. Dadurch wird die Geschichte des Zweiten Weltkriegs natürlich bis zum Zerreißen gestreckt, aber das ist ok - die Spielmöglichkeiten auf der Karte sind fantastisch, und das ist das Wichtigste beim Kartenbau. Dann wird es keine Überraschung sein, dass andere Karten völlig fiktive Universen sind - der letzte Schritt weg von jedem Vorwand, einen historischen Kampf in seiner historischen Umgebung zu zeigen. Die "Glacier"-Karte ist in dieser Hinsicht die Krönung: Auf ihrem Kriegsschifffriedhof dominieren Modelle der legendären U.S. Midway und der deutschen Bismarck-Schiffe, die mit Eis bedeckt sind. In Wirklichkeit trafen diese Schiffe nie aufeinander oder waren irgendwo in einer nordischen Umgebung gestrandet - es war einfach eine lustige Idee, ein paar 3D-Modelle der World of Warships in Eis zu packen und von Panzern überfahren zu lassen.

Sphärische Tanks

Diese Ablenkungen von der Geschichte entsprechen vollkommen dem, was Sie sich von einem MMO wünschen. Panzerfahrer wünschen sich eine historisch genaue Platzierung der Schweißnähte und der Tarnung an ihrem Panzer, aber das würde nichts bedeuten, wenn der Panzer nicht auch ein ausgewogenes Gameplay, Fahrspaß und die Möglichkeit hätte, sich mit neuen "3D-Stilen" - (in den meisten anderen Spielen "Skins" genannt) zu verkleiden. Bei Karten ist es das Gleiche: Die Spieler könnten sich nicht weniger um die Historizität kümmern, wenn sich eine Karte unausgewogen anfühlen würde und eine der beiden kämpfenden Seiten begünstigen würde. Dies ist auch der Grund für den kreativen und nicht-historischen Ansatz bei vielen Ereignissen im Spiel, wie z.B. das Fahren von Kugeltanks auf dem Mond (bei Aprilscherz-Events), die Teilnahme an Tank-Rennen oder das Spielen eines kleinen Panzer-Fussballs im echten Rocket League-Stil, bei dem man einen riesigen Metallball durch ein Stadion springen lässt, während man auf die Gegner schießt. Das ist natürlich reine Fantasie. Was beweist, dass man einen Massive Multiplayer Online aus dem Fantasy-Genre herausnehmen kann, wie es Kishlyi wollte, aber man kann das Fantasy-Genre nicht aus einem MMO herausnehmen.
Image from official WoT book
Cook und Becker zusammen mit Wargaming produzierten und veröffentlichten das offizielle Buch zum 10-jährigen Jubiläum von World of Tanks, in dem die zahlreichen Panzer, Karten und Ereignisse des Spiels auf 300 wunderschön gestalteten, vollfarbigen Seiten ausführlich beschrieben werden. Klicken Sie auf den Link, um mehr zu lesen!
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